| Der SC Echzell hat seit dem 01.04.1987 die Fischereirechte für die innerhalb der Gemarkung Echzell befindliche Strecke der Horloff und des Horloff - Flutbaches gepachtet. Die Horloff ist ein typisches Fliessgewässer, wie es sie zu Hunderten in ganz Deutschland gibt. Ihren einstmals urtümlichen und natürlichen Charakter mit Mäandern, Prallhängen und entsprechendem Bewuchs verlor sie in den sechziger Jahren, als sie, wie damals überall üblich, „ausgebaut“ und teilweise sogar ihr Bett verlegt wurde. Danach war nur noch am Oberlauf und an kleinen Teilstücken ein Hauch des vorherigen Bildes zu sehen. Der restliche Gewässerkörper war in ein hochwassersicheres Bett gezwängt worden und wird seitdem durch regelmäßige Ausbaggerungen in diesem Zustand gehalten. Dies hat zur Folge, dass insbesondere im Sommer Wassertiefen von zeitweise 20 cm oder weniger über längere Gewässerstecken zu verzeichnen sind und durch mangelnde Uferbepflanzung die Wasserpflanzen überhand nehmen.

Wie bei regelmäßig durchgeführten Gewässeruntersuchungen chemischer und biologischer Natur ermittelt wurde und wird, hat die Horloff trotz dieser Maßnahmen eine Gewässergüteklasse von 2 bis 2,5 erreicht. Dies erstaunt nicht zuletzt angesichts der zahlreichen Einleitungen und der Eigenart einiger ewig Gestriger, den Bach als persönliche Müllkippe zu missbrauchen. Aber dies scheint zumindest die Fische nicht sonderlich zu stören Selbst alterfahrene Angler können über manchen gefangenen oder auch nur gesichteten kapitalen Fisch nur den Kopf schütteln. Offensichtlich ist die äußere Erscheinung schlimmer anzusehen als die „inneren Werte“ des Baches tatsächlich sind.

Aufgrund der oben geschilderten Situation bietet der Bach über große Strecken ein recht unansehnliches Bild und erinnert eher an einen Abflussgraben als ein natürliches Gewässer. Dem damaligen Gewässerwart wurde bei einer Schulungsmaßnahme der Unteren Wasserbehörde an einem renaturierten Bachstück in Karben das Gegenteil gezeigt und er nahm die Idee mit in die nächste Vorstandssitzung. Um dies zumindest auf einem kleinen Teilstück auch für die Horloff zu ändern und zu zeigen, wie reizvoll ein naturnahes Fliessgewässer sein kann, beauftragte der SC Echzell darauf hin bereits im Frühjahr 1997 einen Planer. Dieser sollte eine naturnahe Gestaltung des Gewässers innerhalb des Bachbettes ausarbeiten, Fördermittel beantragen und die Baumaßnahmen beaufsichtigen. Glücklicherweise stieß dieser Gedanke weder bei der Gemeinde noch bei den betroffenen Landwirten auf Widerstand. Im Gegenteil wurden mancherorts sogar Stimmen laut, die sich fragten, warum so etwas nicht schon früher in Angriff genommen worden war. Es schien alles recht einfach zu sein. Zu einfach, wie sich herausstellen sollte. Der beauftragte Planer zog im Frühjahr 1998 sein Angebot zurück, weil er zu Höherem berufen wurde. Ein Forschungsauftrag einer Universität war ihm wichtiger, weil prestigeträchtiger. Nach längerem Überlegen erscheint dies zwar verständlich, aber wir hatten ein ganzes Jahr verloren und die Aussicht auf eine Finanzierung aus Landesmitteln schwand angesichts der politischen Situation in Hessen.
Glücklicherweise fand sich recht zügig ein anderer Planer, der sich (zwar für mehr Geld, dafür aber mit mehr Durchhaltevermögen) der Sache annahm. Gottfried Lehr, der uns durch seine Projekte an der Nidda bekannt war, legte auch nach kurzer Zeit ein Konzept vor und informierte die zuständigen Behörden. Nach mehreren Terminen vor Ort trafen sich dann die zu beteiligenden Behörden (Untere Naturschutzbehörde, Staatliches Umweltamt Frankfurt, Bürgermeister), der Planer und Vereinsvertreter zu einem Gespräch, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Hierbei stellte sich heraus, dass die Naturschutzbehörden das Vorhaben sehr begrüßen und eine Finanzierung in Aussicht gestellt wurde. Die Behörden arbeiten zur Zeit an einem Projekt, das die Nidda und ihre Zuflüsse betrifft. Im Rahmen dieses Projektes sollte auch in naher Zukunft die Horloff näher ins Auge gefasst werden. Unser finanzielles Engagement und die Idee zur naturnahen Umgestaltung eines Teilstückes der Horloff kam anscheinend zur rechten Zeit und deckt sich weitgehend mit den Vorstellungen der Behörden. Dies geht sogar soweit, dass der ursprünglich von uns ins Auge gefasste Bereich der Horloff von ungefähr 150 200 m Gewässerstrecke auf gut einen Kilometer ausgeweitet wurde. Dies kann allerdings nur innerhalb des bestehenden Bachbettes erfolgen, da die Gemeinde weder angrenzende Grundstücke von den Landwirten aufkaufen noch evtl. Grundstücke tauschen kann.

Ich kann zum Abschluss nur allen Vereinen die ein gleichartiges Gewässer betreuen, raten sich mit den entsprechenden Behörden in Verbindung zu setzen. Wenn man nicht, wie wir es getan haben, ein mehrere tausend Mark teures Konzept selbst finanzieren kann oder will, um den Stein ins Rollen zu bringen, genügt vielleicht ein Gespräch mit den zuständigen Behörden und ein Termin vor Ort, um die Missstände aufzuzeigen. Vielleicht wird sogar, wie in unserem Fall, bereits von Behördenseite an Renaturierungsmaßnahmen gedacht und es bedarf nur eines Anstoßes. Wer sich bei solchen Dingen als Angelverein nicht einbringt, wird vielleicht später bei den Nutzungsrechten vergessen. Und wenn wir schon das Gewässer nicht fischereilich nutzen, können wir doch wenigstens unserem Ruf als Naturschützer gerecht werden. Die meisten Leute und Institutionen wissen nämlich in vielen Fällen nichts von dem Aufwand an Geld und nicht zuletzt Zeit, die wir als Angelvereine in die Hege und Pflege der in unsere Obhut übergebenen Gewässer investieren.
Ralph Rohr
Bezirksgewässerwart Nord
LVDSF Hessen e.V.
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